40 Jahre Kotti e.V. – Aktiv im Kiez
2026 feiert der Kotti e.V. sein 40-jähriges Bestehen! Seit 1986 engagieren wir uns für ein lebendiges, solidarisches und vielfältiges Miteinander im Kiez rund um das Kottbusser Tor.
40 Jahre Kotti e.V. – Jubiläumsempfang und Nachbarschaftsfest
Am 18. September 2026 haben wir gemeinsam 40 Jahre Kotti e.V. gefeiert. Von 13 bis 15 Uhr fand unser Jubiläumsempfang statt, anschließend wurde von 15 bis 21 Uhr beim großen Nachbarschaftsfest im Familiengarten weitergefeiert.
Der Jubiläumsempfang
Zum Jubiläumsempfang begrüßten wir zahlreiche Kooperationspartner*innen, Nachbar*innen und Unterstützer*innen. Unser herzlicher Dank gilt auch der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales sowie der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie für ihre Unterstützung.
Für ein abwechslungsreiches Programm sorgten The String Archestra, Lahya Aukongo, Prince Emrah, Mesut Özdemir und Rolf Gundelach. Mit ihren tollen Performances brachten sie Musik, Poesie und Bauchtanz auf unsere kleine Bühne.
Ein besonderer Moment war das Gespräch mit Mehmet Ekşi, einem Mitbegründer von Kotti e.V.. Gemeinsam mit Neriman Kurt, der Leiterin des Stadtteilzentrums Familiengarten, erinnerte er an die Anfänge von Kotti e.V. und erzählte von den ersten Jahren unserer Arbeit.
Durch den Empfang führte unsere Geschäftsführerin Monique Messikh-Müller. Gemeinsam mit Neriman Kurt nahm sie die Besucher*innen mit auf eine Reise durch 40 Jahre Kotti e.V. entlang unserer zehn Meter langen Timeline. Von 1986 bis 2025 zeigt sie wichtige Stationen der Vereinsgeschichte und zahlreiche Erinnerungsfotos an Projekte, Feste, Aktionen und viele besondere Momente aus vier Jahrzehnten Kiezarbeit.
Außerdem begrüßten wir Einrichtungsleiter*innen aus unseren Kitas, der Schulsozialarbeit und dem Schülerhaus auf unserer kleinen Bühne und bekamen spannende Einblicke in die vielfältige Arbeit von Kotti e.V.
Das Nachbarschaftsfest
Ab 15 Uhr wurde es im Familiengarten bunt und lebendig. Besonders für die Kinder gab es viele tolle Mitmachaktionen: Stofftaschen konnten bemalt werden, beim Kinderschminken entstanden kreative Gesichter, es wurde gebastelt, im Bücherzelt gestöbert und beim Erbsenschlagen gespielt.
Auch die Kinder und Jugendlichen aus unseren Einrichtungen waren mit dabei. Kindergruppen aus dem Kotti e.V. Schülerhaus an der Nürtingen-Grundschule sowie Schülerinnen aus unserem Kinderbüro an der Jens-Nydahl-Grundschule zeigten tolle Performances und sorgten für besondere Momente auf unserer Bühne.
Ein großes Dankeschön geht an alle Freiwilligen, die Kuchen gebacken und verkauft haben, sowie an alle, die an der Bar und am Kaffee- und Teestand mitgearbeitet und damit zum Gelingen des Festes beigetragen haben.
Am Abend ging die Feier mit DJ-Musik von Aziza A. weiter. Bei spätsommerlicher Stimmung wurde noch lange zusammen gefeiert, getanzt und auf 40 Jahre Kotti e.V. angestoßen.
Es war ein wunderschöner spätsommerlicher Nachmittag und Abend voller Begegnungen, Erinnerungen und gemeinsamer Freude. Vielen Dank an alle, die diesen besonderen Jubiläumstag mit uns gestaltet und gefeiert haben!
Vielen Dank an Lahya Aukongo für ihre beiden tollen Beiträge, die sie beim Empfang vorgetragen hat. Hier sind die Gedichte „Wir gehören hierher“ und „Hier darf ich sein“ zum Nachlesen:
WIR GEHÖREN HIERHER
Ich frage euch:
Was passiert,
wenn ein Raum seine Türen öffnet
und sagt:
Du musst dich nicht kleiner machen.
Du musst dich nicht erklären.
Du musst dich nicht verstecken.
Du darfst kommen,
wie du bist.
Was antworten wir?
Wir gehören hierher.
Wenn wir queer sind und unsere Liebe nicht erklären wollen.
Wir gehören hierher.
Wenn wir Schwarz sind
und endlich einmal nicht die ganze Geschichte erzählen müssen.
Wir gehören hierher.
Wenn wir behindert sind und unser Körper nicht um Erlaubnis bitten müssen,
Raum einnehmen.
Wir gehören hierher.
Wenn wir armutsbetroffen sind,
migrantisch sind,
diasporisch sind,
neurodivergent,
fett,
alt,
jung,
laut,
leise,
wenn wir vieles gleichzeitig sind und in keine Schublade passen.
Was sagen wir?
Wir gehören hierher.
Wenn wir diskutieren.
Wir gehören hierher.
Wenn wir sagen: Ich sehe das etwas anders.
Wir gehören hierher.
Wenn wir zuhören und merken:
Vielleicht muss ich etwas lernen.
Wir gehören hierher.
Denn ein politischer Raum
ist kein Raum,
in dem alle dasselbe denken.
Ein politischer Raum
ist ein Raum,
in dem wir miteinander denken, mitfühlen, miteinander reden.
Wo wir streiten können, ohne einander abzuschreiben.
Wo wir wachsen können, ohne unsere Unterschiede wegschieben zu müssen.
Wo wir sagen können: Du bist anders als ich.
Und trotzdem:
Wir gehören hierher.
Denn wir brauchen diesen Ort, diese Orte, dringend.
Orte, an denen Herzen aufgehen.
Orte, an denen Stimmen lauter werden.
Orte, an denen jemand zum ersten Mal sagt:
Ich dachte, ich wäre die Einzige Person.
Und eine andere Person antwortet:
Nein, du bist nicht allein.
Und deshalb dürfen diese Orte nicht verschwinden.
Nicht die Räume, in denen wir uns begegnen.
Nicht diese Tische, an denen wir diskutieren.
Nicht die Bühnen, auf denen wir unsere Geschichten erzählen.
Nicht die Türen, hinter denen niemensch mehr allein ist.
Denn wenn diese Räume verschwinden, stehen wir wieder einzeln da.
Jede Person mit ihrem Schmerz.
Jede Person mit ihrer Geschichte.
Jede Person mit ihrem kleinen Stück Hoffnung in der Tasche.
Und wie ihr wisst, eine vereinzelte Hoffnung ist leichter zum Schweigen zu bringen.
Aber Hoffnung, die sich versammelt wird zu Gemeinschaft.
Gemeinschaft wird zu Kraft.
Und Kraft sagt:
Wir gehören hierher.
Wir brauchen Räume, in denen wir ankommen können.
Nicht nur für einen Abend.
Nicht nur, solange wir funktionieren.
Sondern wirklich.
Wirklich ankommen.
Atmen.
Bleiben.
Wachsen.
Und wiederkommen.
Wenn bleiben, wenn wir es wollen
Wir gehören hierher.
Wenn wir unterschiedlich bleiben wollen.
Wir gehören hierher.
Wenn wir uns verändern wollen.
Wir gehören hierher.
Wenn wir laut lachen.
Wir gehören hierher.
Wenn wir weinen.
Wir gehören hierher.
Wenn wir widersprechen.
Wir gehören hierher.
Wenn wir lernen.
Wir gehören hierher.
Wenn wir lieben.
Wir gehören hierher.
Wenn wir beraten werden
Wir gehören hierher.
Wenn wir träumen.
Wir gehören hierher.
Wenn wir sagen: Ich bin noch nicht angekommen.
Dann antwortet dieser Raum:
Wir gehören hierher.
Und vielleicht ist das die schönste politische Antwort,
die wir einander geben können:
Keine*r von uns muss allein sein.
Keine*r von uns muss perfekt sein.
Keine*r von uns muss gleich sein.
Wir dürfen verschieden sein.
Wir dürfen miteinander wachsen.
Wir dürfen einander halten.
Und wenn die Welt wieder versucht uns auseinanderzutreiben,
dann kommen wir zurück.
In diese Räume.
An diese Tische.
Zu diesen Menschen.
Zu unseren Stimmen.
Und wir sagen:
Wir gehören hierher.
Noch einmal.
Wir gehören hierher.
Und noch einmal,
damit es auch draußen gehört wird:
WIR GEHÖREN HIERHER.
Nicht irgendwann.
Nicht, wenn wir angepasst sind.
Nicht, wenn wir leiser geworden sind.
Nicht, wenn wir einfacher geworden sind.
Jetzt.
Hier.
Gemeinsam.
Und seit 40 Jahren und darüber hinaus
Denn:
Wir gehören hierher.
HIER DARF ICH SEIN
Seit Januar 2016
komme ich hierher.
Das sind inzwischen so viele Jahre,
dass man fast sagen könnte:
Ich bin Teil des Inventars.
Keine Angst,
ich lasse mich nicht abschrauben.
Aber ehrlich:
Der Familiengarten ist für mich mehr als ein Raum.
Es ist ein Ort an dem ich ankommen kann.
Mit meinen Gedichten.
Mit meiner Stimme.
Mit meiner Wut.
Mit meiner Freude.
Mit meinem ganzen komplizierten,
wunderbaren Menschsein.
Und manchmal auch
mit ungefähr sieben Taschen,
obwohl ich eigentlich
nur ein Buch mitbringen wollte.
Hier darf ich sein.
Nicht perfekt.
Nicht angepasst.
Nicht leise,
nur damit es für andere angenehmer ist.
Hier darf ein Gedicht auch mal länger dauern.
Hier darf ein Abend aus dem Ruder laufen.
Hier darf gelacht werden, bis wir vergessen,
warum wir eigentlich so ernst gucken wollten.
Und dann gibt es diese Momente:
Menschen sitzen zusammen, die sich vorher nicht kannten.
Eine Stimme beginnt zu sprechen.
Ein Gedicht landet irgendwo zwischen Herz und Bauch.
Und plötzlich ist da Verbindung.
Das ist ein Safe(r) Space für mich.
Nicht ein Ort, an dem niemals etwas schwierig wird.
Sondern ein Ort, an dem wir das Schwierige nicht alleine tragen müssen.
Vierzig Jahre Familiengarten.
Vierzig Jahre offene Türen.
Vierzig Jahre Begegnung.
Vierzig Jahre: Komm rein.
Setz dich. Du darfst hier sein.
Und seit 2016
darf auch die One World Poetry Night
hier ihr poetisches Zuhause haben.
Was für ein Geschenk.
Ein Ort, an dem Welten aufeinandertreffen.
Wörter.
Menschen.
Geschichten.
Lachen.
Tränen.
Politik.
Liebe.
Und manchmal Mikrofone,
die genau dann nicht funktionieren,
wenn man gerade etwas
besonders Wichtiges sagen wollte.
Auch das ist Kultur.
Aber wir haben weitergemacht.
Immer wieder.
Weil wir Orte brauchen,
an denen Menschen nicht fragen müssen:
„Bin ich hier richtig?“
Sondern einfach sagen können:
Ja. Hier bin ich richtig
Und vielleicht ist das, dass größte Geschenk,
das ein Stadtteilzentrum machen kann:
Einen Raum schaffen,in dem Menschen nicht nur
untergebracht sind,
sondern vorkommen.
Mit ihren Stimmen.
Mit ihren Geschichten.
Mit ihren Körpern.
Mit ihren Träumen.
Familiengarten,
ich wünsche dir zum 40.
noch ganz viele Jahre
voller Menschen,
die hier ankommen.
Noch mehr Lachen.
Noch mehr Mut.
Noch mehr Kunst.
Noch mehr Gedichte.
Und bitte:
Noch ganz viele Stühle.
Denn wenn ein Ort wirklich sicher ist kommen meistens mehr Menschen,
als mensch das erwartet.
Happy Birthday, Familiengarten.
Danke, dass du Türen öffnest.
Danke, dass du Räume hältst.
Danke, dass du uns seit Jahren sagst:
Kommt rein.
Und wir?
Wir kommen. Immer wieder.
Vielen Dank auch an Mesut für die tolle Rede, die er beim Empfang vorgetragen hat. Hier ist sie zum Nachlesen:
Räume, die existieren – und weiterhin existieren müssen
Wenn ich über Räume spreche, die wichtig sind, dann denke ich nicht zuerst an Gebäude oder vier Wände. Ich denke an Orte, an denen Menschen sein dürfen. Orte, an denen man sich ausprobieren kann, gesehen wird, Mut bekommt und vielleicht zum ersten Mal das Gefühl hat: Ich bin hier richtig.
Für mich ist der Kotti e.V. Familiengarten genau so ein Ort.
Der Familiengarten war eine der ersten Bühnen meiner künstlerischen Laufbahn. Dort habe ich nicht nur Kunst und Performance erlebt, sondern etwas viel Wichtigeres: Ich habe Mut gefunden. Ich habe Akzeptanz erfahren. Und ich habe erlebt, dass es Menschen gibt, die mich als queere Person nicht verändern, erklären oder in eine Schublade stecken wollen – sondern mich einfach sein lassen.
Das klingt vielleicht selbstverständlich. Aber für viele Menschen ist es das bis heute nicht.
Deshalb bin ich dem Familiengarten verbunden geblieben. Heute bin ich dort gemeinsam mit unserer Gruppe Queer Life aktiv und begleite einen Ort, an dem unterschiedliche Menschen zusammenkommen und miteinander leben, lachen, sprechen und sich gegenseitig unterstützen können.
Für mich bedeutet ein solcher Raum: Du musst dich nicht verstecken. Du darfst du selbst sein.
Und genau deshalb brauchen wir diese Räume weiterhin.
Wir brauchen Räume für junge Menschen und für ältere Menschen. Für Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen, unterschiedlichen Lebensgeschichten, unterschiedlichen Identitäten und unterschiedlichen Erfahrungen.
Wir brauchen Orte, an denen Generationen aufeinandertreffen können.
Orte, an denen Vielfalt nicht nur ein Wort auf einem Plakat ist, sondern tatsächlich gelebt wird.
Der Familiengarten zeigt seit 40 Jahren, dass so etwas möglich ist.
40 Jahre sind eine lange Zeit. Und gleichzeitig wissen wir: Solche Orte sind nicht selbstverständlich. Sie müssen immer wieder aufgebaut, gepflegt, geschützt und mit Leben gefüllt werden.
Denn wenn Räume verschwinden, verschwinden nicht nur Räume.
Es verschwinden Begegnungen. Erinnerungen. Möglichkeiten. Beziehungen. Und manchmal auch ein Stück Zuhause.
Ich habe in meinem eigenen Leben erfahren, wie wichtig es sein kann, wenn jemand sagt: Komm rein. Du bist willkommen. Du kannst hier sein.
Vielleicht ist genau das die größte Bedeutung solcher Orte.
Sie geben Menschen nicht nur einen Platz – sie geben ihnen die Möglichkeit, ihren eigenen Platz in der Gesellschaft zu finden.
Für mich gehört der Familiengarten zu meiner persönlichen Geschichte. Zu meiner Geschichte als Künstler, als queerer Mensch und als jemand, der sich seit vielen Jahren für Gemeinschaft und Räume der Vielfalt einsetzt.
Und deshalb wünsche ich mir, dass wir nicht nur heute 40 Jahre Familiengarten feiern.
Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam dafür sorgen, dass solche Räume auch in Zukunft existieren.
Für die nächste Generation.
Für Menschen, die heute noch gar nicht wissen, dass sie vielleicht eines Tages genau so einen Ort brauchen werden.
Für alle, die einen Safe Space suchen.
Für alle, die dazugehören möchten.
Und für alle, die einfach nur eines wollen:
sein zu dürfen.
Herzlichen Glückwunsch zu 40 Jahren Familiengarten.
Und auf viele weitere Jahre, in denen dieser Ort offen bleibt – für Vielfalt, für Begegnung, für Kunst, für Gemeinschaft und vor allem für die Menschen.
Auftakt ins Jubiläumsjahr: „40 Jahre – 40 Boxen. Kiek mal rin! 40 Jahre Nachbarschaft!“ & Vorführung der Dokumentation „Die Oranienstraße“ (1987)
Ende Januar feierten wir mit einer Auftaktveranstaltung den Beginn unseres Jubiläumsjahres „40 Jahre – 40 Boxen. Kiek mal rin! 40 Jahre Nachbarschaft!“. Gemeinsam mit zahlreichen Gästen eröffneten wir das Jubiläumsprogramm und blickten auf vier Jahrzehnte Nachbarschaft, Engagement und Stadtgeschichte zurück. Ein besonderer Moment des Abends war die Vorführung der Dokumentation „Die Oranienstraße“ (1987), die eindrucksvolle Einblicke in das Leben und die Veränderungen rund um die Oranienstraße in den 1980er Jahren gab.
Erinnerungsschrank: „40 Jahre – 40 Boxen. Kiek mal rin! 40 Jahre Nachbarschaft!“
Im Rahmen unseres Jubiläums „40 Jahre – 40 Boxen. Kiek mal rin! 40 Jahre Nachbarschaft!“ lädt ein besonderer Erinnerungsschrank zum Entdecken ein. In 40 Boxen, jeweils mit einer Jahreszahl von 1986 bis 2025, sammeln sich Spuren aus vier Jahrzehnten Vereinsgeschichte. In den Boxen finden sich Zeitungsausschnitte, Dokumente, Fotos und persönliche Erinnerungsstücke, die Einblicke in Projekte, Ereignisse und den Alltag der Nachbarschaft geben – eine kleine Zeitreise durch 40 Jahre gemeinsames Engagement.

















































