BANA Café: „Indien – Demokratie oder Demokratie in Gefahr?“ ein Vortrag von Michael Gottlob
Indien stellt eines der erfolgreichsten Beispiele für die Etablierung eines demokratischen Rechtsstaats nach dem Ende der Kolonialherrschaft dar. Dafür stehen die Namen von Politikern wie Nehru, Gandhi, Ambedkar, Narayan etc.. Mit Ausnahme der Notstandsregierung unter Indira Gandhi von 1977 bis 1979 hat sich die indische Demokratie kontinuierlich weiterentwickelt, unter Einbeziehung zivilgesellschaftlicher Initiativen und über mehrere Regierungswechsel hinweg. Soziale Ungerechtigkeiten wie die Kastendiskriminierung und Formen von Gewalt gegen Frauen und Kinder haben Gegenbewegungen für Emanzipation, Schutz und Gleichstellung hervorgebracht.
Auch die sprachliche, religiöse und bundesstaatliche Vielfalt sind Bestandteil eines übergreifenden, umfassenden indischen Einheitsbewusstseins. Dieses Bewusstsein der multikulturellen Nation unter dem Slogan ‚unity in diversity‘ droht verloren zu gehen, da die seit dem Jahr 2014 regierende Indische Volkspartei BJP systematisch das Ziel verfolgt, Indien zu einem Hindustaat zu machen, in dem Minderheiten nur noch eingeschränkte Bürgerrechte genießen. Die Vorstellung von Indien als Hindustaat geht sogar in denGeschichtsunterricht an staatlichen Schulen ein, in dem die Muslime als Aggressoren von außen den vermeintlich immer schon in Indien ansässigen Hindus entgegengesetzt werden. So lernt die neue Generation von Hindus die muslimische Minderheit früh als Feinde zu begreifen. Die Medien tun ein Übriges (mit Ausnahmen).




